Adventskonzert 2002  

Nicht nur in Bethlehem geht's tierisch zu

Bensheimer Kinder- und Jugendchor mit reifen Leistungen
in der Kirche St. Laurentius


Alle Jahre wieder: Das Adventskonzert ist beim Kinder- und Jugendchor der Stadt Bensheim längst Tradition. Am Sonntag griff die Gruppe um Dirigent Ronald Ehret in der Laurentius-Kirche in weiten Teilen auf moderne Rhythmen und an die heutige Zeit angepasste Texte zurück.

Nur wenige klassische Adventslieder waren im Verlauf des eineinhalbstündigen Programms der drei Chöre zu hören. Dennoch büßte das Konzert nichts an vorweihnachtlicher, festlicher Stimmung ein. Im Mittelpunkt stand das Singspiel „Weihnachtsprozession“ von Hans W. Eichholz, das Kinder- und Jugendchor zusammen vortrugen.

Thematisch geht es dabei um die Suche nach dem inneren Frieden, den man letztlich nach langer Wanderschaft im Glauben an Jesus findet. Als Darsteller agierten und sangen die Mitglieder des 20-köpfigen Kinderchors, die in die Rollen von Hirten, Schafen, Krähen oder Hunden schlüpften. Unterstützt wurden sie dabei vom Jugendchor, der von der Empore aus mit seinem mehrstimmigen Chorgesang überzeugte.

Eine moderne Version der Weihnachtsgeschichte boten anschließend die fünf- bis zehnjährigen Sängerinnen und Sänger. Sprache und Stil wie in "Schrecklich viele Menschen" oder „In Bethlehem geht's tierisch zu“ – beides Kompositionen von Andreas Hantke - entsprechen den Gewohnheiten und Erwartungen der heutigen Kindergeneration. Es ist eine einfache, verständliche und bildhafte Sprache, unterlegt mit einem flotten Rhythmus.

Im Chor der Jüngsten taten sich Lea und Hanna Weisenstein sowie Nico Remus als Solosängerinnen bzw. -sänger hervor.

Der Jugendchor präsentierte einen weiten Genre-Bogen, der von Gospel-Musik bis Jazz reichte. Souverän bewegten sich die Interpreten in den unterschiedlichen Kulturen. Anne-Marie Cabuts „Noel nouvelet" intonierten sie ebenso souverän wie Jost-Naujoks "Send your Spirit" und "Help me stand".

Einen ausgeprägten Gospel-Rhythmus setzten sie in Tyndale Thomas' „Light a Candle in the Dark" um, streiften Irland mit "The holly and the ivy girl" nach einem Satz von H. Dietrichs oder machten mit "Tebje Pajom" eine Stippvisite in russischen Gefilden. Eine musikalische Weltreise, die von Vielseitigkeit und Offenheit zeugt.

Zudem kann Ronald Ehret in seinem Jugend-Ensemble auf besonders starke Stimmen bauen, zum Beispiel die von Yvonne Kunz und Saskia Schulz.

Traditionelle Weihnachtsmusik steuerte das Vokalensemble X-tra bei. Die Sängerinnen und Sänger überzeugten mit einer nuancenreichen Interpretation von Praetorius’ "Der Morgenstern ist aufgedrungen" oder auch Anton Bruckners "Locus iste".

Mit seiner Routine im mehrstimmigen Chorgesang und der außerordentlichen Stimmgewalt bietet der Chor einen wahren Hörgenuss. Die Mitglieder des Vokalensembles X-tra haben bereits den Kinder- und Jugendchor durchlaufen. Dass sie viel Erfahrung mitbringen, machte das Konzert deutlich.

Auch in diesem Jahr konnte der Vereinsvorsitzende Thomas Schröder Vertreter aus der Welt der regionalen Gesangskunst begrüßen. Kommunalpolitiker waren ebenfalls präsent. Für Bürgermeister Thorsten Herrmann, der erst seit wenigen Stunden in Amt und Würden war, dürfte es nicht nur das erste Adventskonzert dieses Chores gewesen sein, der Besuch des Konzerts war zugleich eine seiner allerersten Amtshandlungen.

aus "Bergsträßer Anzeiger" vom 18.12.2002