Sommerkonzert 2003  

Mit Mutterstolz und Freudentränen

Kinder- und Jugendchor der Stadt Bensheim
präsentiert sein Sommerkonzert mit viel Pfiff


Oldies, Gospels, bekannte Lieder: Aus 50 jungen Kehlen klang am Freitagabend das Sommerkonzert des Kinder- und Jugendchors der Stadt Bensheim. Eltern, Geschwister und Mitschüler füllten das Forum der Liebfrauenschule. Es wurde eng und bei zunehmender Schwüle auf den Sitzen feucht. Der Ausschank im Foyer machte vor allem mit kaltem Mineralwasser Kasse.

Die jungen Sänger ließ das unberührt. Sie gaben aus ihren jungen Kehlen eine Kostprobe ihrer musikalischen Vielfalt. Was sie seit Januar einstudiert hatten, sollte die Herzen der Zuhörer erreichen. Die zarten Stimmen der rund 20 Jugendlichen unterstrich die melancholische Wirkung des Beatle-Songs "Yesterday". Auch liess sich das russische Lied der Wolgaschiffer mit schwermütigem Unterton vernehmen.

Bei "Nobody knows the trouble I've seen" hätte man sich allerdings ein bisschen mehr Rhythmus im Blut gewünscht. Die Gospel-Sänger aus Harlem haben vorgemacht, dass sie sich mit ganzem Körper in den Song hineinwiegen. Der Kinderchor hat sich mit Liedern wie "Ein roter Luftballon", "Tipp Tap", "Im Orient" und der Sommerversion von "O du fröhliche" in die Herzen der Zuhörer gesungen. Dabei waren die in Reimen vorgetragenen Stimmenkostproben gleichermaßen originell im Text wie gelungen in der Melodie. Die Geschichte des roten Luftballons, der in der Ich-Form erzählt: "...noch mal hol' ich Luft, bevor ich verduft...",seine Sehnsucht, einmal auf die große Reise zu gehen, sein Unternehmen aber an einem Kaktus, den er im Dunkeln nicht wahrnimmt, scheitert, erntete breites Schmunzeln.

KLANGVOLL. ´Music was my first Love` hieß es am Freitagabend beim Kinder- und Jugendchor der Stadt Bensheim. Am Klavier begleitet von Bruno Ehret hatten die engagierten Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Ronald Ehret zum großen Sommerkonzert ins Foyer der Liebfrauenschule eingeladen. Mit viel Pfiff präsentierte sich das Vokalensemble X-tra, rekrutiert aus ehemaligen Sängern des Jugendchors, von denen die meisten studieren oder bereits im Berufsleben stehen. Zu ihnen gehört der Organisator, Thomas Schröder. Der 29-Jährige erste Vorsitzende des Kinder- und Jugendchors der Stadt Bensheim lässt es trotz seiner vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten nicht an sängerischem Engagement und Talent fehlen. Mit dem ganzen Körper bewegt er sich zum Rhythmus der Musik.

So viel Begeisterung wirkt ansteckend. Der Angestellte bei der Sparkasse Bensheim singt seit 21 Jahren aus voller Kehle. Seit 13 Jahren engagiert er sich darüber hinaus im Vorstand. Der Song "Music was my first love", den der Jugendchor nach der Pause vorträgt, scheint nicht nur auf Thomas Schröder Maß geschneidert zu sein. So viel Inbrunst und Freude am Singen legt der 1975 gegründete Chor an den Tag, dass sich die Stimmung im Saal zunehmend steigert.

Jahrelanges wöchentliches Proben haben diesen jungen Kehlen Schliff gegeben. So nimmt es nicht Wunder, dass sie schon öfters zu Konzertreisen aufgebrochen sind. Das ungarische Mohacs, das österreichische Wien und Riva am Lago di Garda (Gardasee) waren Anlaufstellen. Die Zukunft des Kinder- und Jugendchors der Stadt Bensheim soll nach den Vorstellungen ihres ersten Vorsitzenden in gleichen Bahnen verlaufen.

Allerdings wünscht sich Schröder mehr männliche Kehlen im Chor. "Das ist doch wunderbar", meint Schröder lachend, "wenn man als Mann unter so vielen Mädchen und jungen Frauen singt". Für ihn und einige wenige seiner Mitstreiter scheint Singen kein Attribut mangelnder Männlichkeit zu sein.

Zu dem Kinderlied "Die Blümlein sie schlafen", kommen die Kleinen und Großen nochmals alle auf die Bühne. Es gibt viel Beifall. Eine Mutter, deren Tochter eine Strophe fehlerfrei vorträgt, wischt sich eine Träne aus dem Gesicht. Ihr Stolz auf die Leistung ihrer Kleinen ist berechtigt. Und der aller anderen Eltern auch.

aus "Bergsträßer Anzeiger" vom 14.07.2003