Sergej Rybakov als Trainer und Spieler aktiv

European Masters Games in Malmö: Rybakov setzt Schlusspunkt - „Europameister“ mit Russland

Heppenheim/Malmö. 52 Jahre ist er alt, zweifacher Großvater, aber er kann es nicht lassen: Der ehemalige russische Nationalspieler Sergej Rybakov, der mit seiner Frau Larissa in Heppenheim zu Hause ist, hat am vergangenen Sonntag mit der russischen Ü45-Nationalmannschaft bei den European Masters Games (EMG) die Gold-Medaille gewonnen. Im Endspiel gegen die Ukraine avancierte Rybakov, der aktuell beim Handball-A-Ligisten TV Groß-Rohrheim als Trainer aktiv ist, zum Matchwinner für die „Sbornaja“. Kurz vor der Schlusssirene verwandelte er einen Strafwurf zum 8:7-Erfolg gegen seinen ehemaligen Mannschaftskameraden aus Zeiten mit der UdSSR-Nationalmannschaft, Mykhaylo Siacukin, der für die Ukraine im Tor stand und am Ende, obwohl er von Rybakov geschlagen wurde, zum besten Torhüter des Turniers gewählt wurde. „Das war wahrscheinlich das wichtigste Tor meiner Karriere“, schmunzelte Rybakov. „Aber das ist mir erst danach gekommen. Schließlich sind wir jetzt Europameister“, so der Spielmacher der russischen Mannschaft. Die ersten European Masters Games fanden vom 29. August bis 7. September in Malmö statt und die Veranstalter haben keinen geringeren Anspruch, als dass dieses Event zum teilnehmerstärksten Sportereignis Europas wird. Teilnahmeberechtigt sind alle Sportlerinnen und Sportler, die das 35. Lebensjahr überschritten haben, wobei die Handballer eigene Regeln fassten und bei den Frauen in einer Ü33- und einer Ü43-Konkurrenz starteten, bei den Männern in einem Ü35- und einem Ü45-Turnier ihre Besten kürten. Bei den Frauen siegten jeweils zwei Teams aus Ungarn, bei den Ü35-Männern Slowenien vor zwei Vertretungen Dänemarks. Die russische Mannschaft mit Spielmacher Rybakov setzte sich gegen die Ukraine durch, im Spiel um Platz drei siegte Italien gegen die Slowakei. Die Handballer stellten in Malmö neben den Leichtathleten die zweitgrößte Teilnehmerzahl. Entsprechend ließ es sich auch der Präsident der europäischen Handball-Fö,deration (EHF), der Norweger Tor Lian, nicht nehmen, die Siegerehrung persönlich vorzunehmen. Die European Masters Games wollen eine völkerverbindende Veranstaltung sein, die zwar abseits der absoluten Höchstleistung den Spaß an erster Stelle sieht, aber dennoch gespickt mit zahlreichen früheren Top-Athleten eben wie Sergej Rybakov für begeisterte Zuschauer. Das Alter der Teilnehmer ist zwar das erste Teilnahmekriterium, aber ebenso wichtig sind den Veranstaltern der EMG die Leidenschaft, der Sportsgeist und der Spaß am Sport. „Das hat man auch deutlich gemerkt, die Veranstaltung war klasse. Einerseits hoch offiziell mit EHF-Präsident und sehr schöner Abschlussfeier, andererseits kam der Spaß nicht zu kurz. Nur schade, dass wir eigentlich nur Handball gesehen haben und kaum Zeit hatten, uns andere Sportarten anzuschauen“, resümiert Rybakov. Insgesamt 28 Sportarten suchten in den Tagen von Malmö ihre Meister. Die nächsten EMG finden im Jahr 2011 im italienischen Lignano statt. Für Sergej Rybakov war der Trip nach Schweden ein Abstecher in seine eigene Vergangenheit, schließlich traf er dort auf zahlreiche Weggefährten. „Es hat richtig Spaß gemacht. Auch bei den anderen Mannschaften waren viele Spieler dabei, die ich noch gut kannte“, so Rybakov. Am Montagabend in Frankfurt gelandet, hatte schon gestern der Alltag den Handballer wieder. Und dieser bedeutet: Vorbereitung mit dem TV Groß-Rohrheim auf den Start in die am Sonntag mit dem Heimspiel gegen den TuS Zwingenberg beginnende A-Liga-Saison.

(Aus dem Südhessen Morgen)

Porträt: Ehemaliger russischer Nationalspieler und Welthandballer Sergej Rybakov wird zum absoluten Glücksfall für den TV Groß-Rohrheim - Handball-As in Südhessen zuhause

Rybakov als Mitglied der sowjetischen Nationalmannschaft

Er strahlt Ruhe aus, wirkt zufrieden, aber seine Augen verfolgen rastlos das Geschehen auf dem Spielfeld. Blitzschnell erkennt er den Fehler und versucht, seine Spieler entsprechend zu korrigieren. Wenn Sergej Rybakov bei den Handballern des TV Groß-Rohrheim an der Seitenlinie als Trainer arbeitet, dann spürt selbst der unerfahrene Zuschauer, dass dort geballte Kompetenz wirkt. Der ehemalige russische Nationalspieler, Welthandballer, Gewinner der Goodwill-Games ist ein absoluter Glücksfall für den TV Groü-Rohrheim. Während andere Sportler seines Kalibers in der Bundesliga arbeiten, hat sich Rybakov für seine Familie entschieden. Schon früh war klar: Der Ausnahme-Handballer wird in Südhessen sesshaft. Seine große Karriere begann in St. Petersburg, lange vor der Wende, als die Stadt noch Leningrad hieß. An der dortigen Sportschule wurde sein Talent für den Handball erkannt und entsprechend gefördert. Früh musste er Altersklassen überspringen, war meist der Jüngste in seinen Teams. Und auch die Berufung in die russische Nationalmannschaft ließ nicht lange auf sich warten. Als Spielmacher war er Dreh- und Angelpunkt des so gefürchteten Angriffsspiels der „Sbornaja“ und in der Meisterschaftsrunde mit seinem Verein Newa Leningrad wurde er Torschützenkönig der ersten russischen Liga. In heutigen Zeiten würden sich Teams wie die Rhein-Neckar-Löwen und der THW Kiel bei der Verpflichtung eines solchen Spielers gegenseitig überbieten und Millionen-Summen aufrufen. Doch in den 1980er Jahren war das noch anders und so wechselte der hochdekorierte russische Handballer Sergej Rybakov nicht zu irgendeinem westeuropäischen Top Club, sondern aufgrund von Kontakten eines Sponsors mit russischen Funktionären zum Zweitligisten VfL Heppenheim. Dort avancierte er zum Publikumsliebling und, wie sollte es anders sein, zum Torschützenkönig der zweiten Handball-Bundesliga. Aber in Richtung erste Liga konnte auch Rybakov, der selten weniger als zehn Treffer pro Spiel markierte, die Heppenheimer nicht fü,hren. Er alleine war unter dem Strich zu wenig für den ganz großen Erfolg. Nach drei Jahren in Südhessen ging Rybakov mit seiner Frau Larissa und seinen beiden Söhnen Dennis und Alexej wieder zurück in die russische Heimat, um nur wenige Jahre später, in der Zwischenzeit arbeitete er an der Sportschule in St. Petersburg, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Nach einem kurzen Intermezzo beim finanziell angeschlagenen Oberligisten Borussia Fulda zog es ihn wieder in den Kreis Bergstraße: Bei der SKG Bonsweiher wurde er als Spielertrainer zum Garanten für einen ungeahnten Aufschwung. Bis in die Landesliga führte Rybakov den Odenwälder Verein. Ganze sieben Jahre arbeitete der ehemalige Nationalspieler in Bonsweiher. Nach einem kurzen Gastspiel beim HC VfL Heppenheim und bei den Handballerinnen der HSG Bensheim/Auerbach fand er vor zwei Jahren in Groß-Rohrheim eine neue sportliche Heimat. In dieser Zeit hat er den TV von einem Abstiegskandidaten zu einem der Top-Teams der Bezirksliga A geformt. Auch selbst springt der 52-Jährige beim TV Groß-Rohrheim noch ein, wenn Not am Mann ist.

(Aus dem Südhessen Morgen)

Sergej Rybakov als Wegbereiter, Lehrmeister und Gold-Garant

(Aus dem Südhessen Morgen)

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