Botschafter und Multiplikatoren

Der Hessische Handball-Verband beginnt mit der Ausbildung von Schülermentoren in Bensheim - das HLZ unterstützt das Pilotprojekt

Botschafter und Multiplikatoren sind gefragt. Sportlich wie fachlich steht das Handball-Leistungszentrum Bergstraße (HLZ) nach zwei Jahrzehnten Grundlagenarbeit auf gesunden Fundamenten. 160 Schüler im Alter von 10 bis 17 Jahren aus 21 Vereinen und 29 Schulen werden derzeit in den Gruppen betreut, Talente bis in die Spitze (Bundesligen) geführt.
Doch die Regie weiß: Stillstand bedeutet Rückschritt. Deshalb arbeiten Geschäftsführer Marcus Essinger, die Sportliche Leiterin Claudia Richter mit dem Trainerstab und der Förderverein um den Vorsitzenden Hans-Reinhard Bauß beharrlich an der Fortentwicklung des ältesten Leistungszentrums in Hessen.
Längst geht es darum, Handball auch in den Schulen vor Ort zu profilieren und zu verankern. Es gilt, den Sprösslingen in einer bewegten Schul- eine gesunde Bewegungslandschaft zu bieten, die diese neugierig stimmt und begeistert. Die Macher des HLZ möchten sich künftig der Schülermentoren bedienen, die in Baden-Württemberg und im Badischen Handball-Verband (BHV) bereits erfolgreich eingesetzt werden. Mit der Ausbildung von Schülermentoren mit Schwerpunkt Handball betritt der Hessische Handball-Verband in Kooperation mit dem HLZ und der Trägerschule, dem Alten Kurfürstlichen Gymnasium (AKG) in Bensheim, 2010 Neuland. Essinger: „Da hat HHV-Präsident Rolf Mai vieles angestoßen."
Aus Misstrauen und Ignoranz des Verbandes in den Gründerjahren des HLZ entwickelt sich fruchtbares Zusammenspiel. Auch Mai erkannte beim Empfang zum 20. Geburtstag des HLZ am 12. Dezember 2009 im Bensheimer Rathaus: „Es ging etwas holprig los. Nun hat das Umdenken gefruchtet, dass Schule und Verein zusammengehören." Mai hat eine Arbeitsgemeinschaft Zukunft berufen, die Konzepte zur Bestandssicherung des Handballs entwerfen soll. Unter dem wachsenden Einfluss der Ganztagsschule und angesichts demografischer Verwerfungen (weniger Kinder, mehr Migranten-Nachwuchs), die Mannschaftssportarten besonders hart treffen, ist die Offensive dringend geboten. Denn geburtenschwache Jahrgänge und immer weniger Neugeborene verschärfen den Kampf um Jugendliche und Schüler. Nur wer Qualität und aufmerksame Betreuung in die Waagschale wirft, findet künftig das nötige Echo. Da entwickeln junge, gleichaltrige Betreuer - obendrein kostengünstig - leichter einen Draht.
Darauf bauen Kinderhandballtrainer-Zertifikat und Mentoren- Idee. Sie ergänzen und entlasten zugleich Lehrkräfte, Übungsleiter und Trainer, vielerorts ebenfalls schon dünn gesät. Für die Assistenten bilden die Programme zugleich ein Sprungbrett, selbst die Trainer-Laufbahn einzuschlagen oder nach dem Schulabschluss ein Sportstudium zu beginnen.
Das HLZ Bergstraße denkt parallel daran, sich auszubreiten, um Förderung und Betreuung näher zu den Talenten zu bringen. Sein Einzugsradius reicht über den Kreis Bergstraße hinaus. Aus dem Raum Darmstadt/Groß-Gerau ist das Echo stark. In Gernsheim, Weiterstadt, Arheilgen, Rüsselsheim hat sich die gute Arbeit herum gesprochen, ebenso im Odenwald. Entsprechend hoch sind Zeitaufwand und Kosten, die Talente und Eltern (Fahrdienst) auf sich nehmen. Deshalb reifen Pläne, Filialen in Gernsheim und Fürth einzurichten. Geschäftsführer Marcus Essinger: „Da sind wir in Gesprächen."
Zugleich geht es um die Kooperation mit Schulstandorten und dem Handballbezirk Darmstadt. Zukunftsmusik. Soll das Netzwerk wachsen, müssen finanzielle und personelle Voraussetzungen (genügend Übungsleiter und Lehrer-Trainer) stimmen. Mit dem aktuellen Trainer-Trio - Claudia Richter, Sergej Rybakov und Thomas Weber - ist das nicht zu schultern.
Zunächst beginnt im April die Ausbildung der Schülermentoren. Auf diesen Trichter ist auch die Metropolregion Rhein-Neckar gekommen. Dort im Dreiländereck Rheinland-Pfalz/Baden-Württemberg und Hessen arbeiten die ersten Projekte und betonen zugleich die Ausbildung von Schülermentoren. Der Badische Handball-Verband (BHV) in Karlsruhe entwickelte 2007 nach einer Nachhaltigkeitsanalyse nach der WM 2007 das Projekt „Handball bewegt Schule".
149 Vereine dort stärken das Kooperations-Netzwerk Schule/Verein. Speziell im Grundschulbereich wurden Tausende Sprösslinge an die Mannschaftssportart herangeführt.

Premiere unter Mithilfe des HLZ Bergstraße

Die Ausbildung zu Schülermentoren/innen zielt auf Jugendliche ab dem 15 Lebensjahr. Gedacht ist an Unterstützung der Schulsport-AGs, Mitwirkung bei Schul- und Sportfesten, Organisation von Wettbewerben, Assistenz bei Projektwochen und -tagen, Gestaltung des Pausensports, Pädagogische Nachmittagsbetreuung und Wettkampfbetreuung („Jugend trainiert für Olympia"). Alle Aktivitäten begleiten eine Lehrkraft und weitere Schülermentoren. Der erste Ausbildungszyklus am HLZ erfolgt an zwei Wochenenden. Vom 16. bis 18. April - Freitag von 18 bis 19.30 Uhr, Samstag von 9 bis 18 Uhr, Sonntag von 9 bis 16 Uhr- wird Grundlegendes zu allgemeinen Sportthemen vermittelt. Im zweiten Wochenendblock vom 23. bis 25. April im gleichen Zeitfenster wird in der Sportart Handball demonstriert, wie Kinder und Jugendliche in der Schule und im Verein angemessen betreut werden können. Theorie und Praxis gehen Hand in Hand bei diesem Premieren-Crashkurs. Ein Zertifikat dokumentiert die Ausbildung. Der Hessische Handball-Verband (HHV) vergibt obendrein das Kinderhandballtrainer-Zertifikat. Schülermentoren sollen Bewegung und Sport an den Schulen beleben helfen - speziell mit dem Schwerpunkt Handball. Bis 15. März sollte das Anmeldeformular bei Claudia Richter, der Sportlichen Leiterin des HLZ Bergstraße sein. Bei mehr als 20 Bewerbungen entscheidet das Los. Infos: www.hlz.de.be.

(Nach dem Bericht im Starkenburger Echo vom 30.01.2010)

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