Süßes darf sein – wenn der Zeitpunkt stimmt

Roman Acht mag Nutella. Und Roman Acht isst Nutella. Als Dessert gönnt er sich ziemlich regelmäßig ein mit Schokocreme bestrichenes Vollkornbrot. Das darf er.
Kirsten Brüning nickt, als der Leistungsruderer aus Heidelberg von dieser Vorliebe erzählt. "Genuss gehört zum Gewichtsmanagement dazu", sagt die renommierte Ernährungswissenschaftlerin aus Bad Soden, die unter anderem an drei Olympiastützpunkten tätig ist und auch Roman Acht in Sachen Ernährung betreut. Entscheidend für die kulinarischen Genussmomente im Leben ist aber der Zeitpunkt. Nach dem Mittagsmahl verträgt der Blutzuckerspiegel sehr gut ein Nutella-Schnittchen, ohne verrückt zu spielen.
Unter dem Titel "Hier kriegt jeder sein Fett weg - vom Wohlstandsbauch zum Wohlfühlgewicht", widmeten sich Kirsten Brüning, Roman Acht und Moderator Marcus Essinger in der Sportler-Lounge des Sportkreises Bergstraße auf der Festmeile kurzweilig dem schwierigen Thema Gewichtsmanagement. Schwierig? Die ernährungstechnischen Grundlagen, die es auf dem Weg zum Wohlfühlgewicht zu beachten gilt, sind bekannt und technisch vergleichsweise leicht zu realisieren: viel trinken (Wasser); viel Obst und Gemüse, bevorzugt Vollkorn- und Milchprodukte; Mahlzeiten, bei denen man sich satt essen kann; den Hunger-Ast mit leichten Zwischenmahlzeiten, etwa Stundefutter oder Rohkost, bekämpfen und so weiter. Die Malaise bei der ganzen Geschichte ist es, den Willen aufzubringen, dieses Wissen in die Praxis umzusetzen.
Ein erfolgreiches Gewichtsmanagement, zu dem neben der Ernährung als weitere Säulen Bewegung, Entspannung und ausreichender Schlaf zählen, beginnt deshalb sozusagen im Kopf, erläuterte Kirsten Brüning: "Man benötigt eine hohe Motivation, das ist die wichtigste Voraussetzung."
Eine Motivation, die über eine weite Wegstrecke tragen muss. Ein Jahr oder länger könne es dauern, bis sich die Umstellung der Ernährung tatsächlich verfestigt habe, verdeutlichte die Expertin. Ein anhaltendendes Wohlfühlgewicht lasse sich nachhaltig, das heißt ohne Jo-Jo-Effekt, nur mit dieser langfristigen Methode erreichen, die sich an den jeweiligen individuellen Bedürfnissen und Zielsetzungen orientieren sollte.
Probleme beim Gewichtsmanagement haben bei weitem nicht nur Lieschen Müller und Max Mustermann, sondern eben auch Topathleten wie Roman Acht, der in der Leichtgewichtsklasse bis 70 Kilogramm rudert. Für ihn beginnt das Duell mit den überflüssigen Pfunden ziemlich regelmäßig nach dem Wintertraining.
Diese Phasen, in denen er sich Vieles schmecken lässt, was sonst nicht unbedingt auf der Speisekarte steht, seien für seinen Kopf allerdings sehr wichtig, erläuterte der junge Mann seine bewussten Abweichungen.
Mithilfe von Kirsten Brüning und intensiven Trainingseinheiten ist es ihm bisher immer gelungen, zurückzufinden zu seinem Wettkampflimit. Ein Prozess, der Substanz kostet. Roman Acht: "Ich möchte zukünftig die Schwankungen besser in den Griff bekommen."
Zum Ende des gut einstündigen Gesprächs bekam noch Marcus Essinger, gemäß dem Veranstaltungsmotto, "sein Fett weg". Die Essgewohnheiten des Moderators - Schoko-Snacks von der Tanke und Ähnliches - wurden von den Profis Kirsten Brüning und Roman Acht kritisch unter die Lupe genommen. Das Urteil: Das Frühstück (Müsli) kann man so lassen, der Rest scheint durchaus optimierbar.
(Aus: Bergsträßer Anzeiger vom 09.06.2014)

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