Wenn es läuft, dann läuft's

DHW-Interview mit Jannik Kohlbacher

Gerade einmal zwölf Erstligaspiele brauchte der 20-jährige Jannik Kohl bacher, um von Bundestrainer Dagur Sigurdsson für den Supercup nominiert zu werden. Beim Vier-Länder-Tumier überzeugte der 1,93 Meter große und 113 Kilo- gramm schwere Kreisläufer bei den Siegen gegen Brasilien (29:20), Serbien (37:26) und Slowenien (31:28) Fans, Mitspieler und auch den Bundestrainer. „Jannik hat sich gut eingefügt, vor allem im Angriff“, lobte der Isländer den Wetzlarer. Auch Sport1-Experte Stefan Kretzschmar sagt: „Von den ganz jungen Spielern hat speziell Kohlbacher seine Chance genutzt. Er hat ein tolles Turnier gespielt und sich zu einer ernsthaften Option für den Bundestrainer entwickelt, gerade wenn man die Verletzungsprobleme am Kreis bedenkt.“ Nicht nur der Ex-Nationalspieler sieht des halb gute Chancen, dass der unbekümmert spielende Junioren-Europameister von 2014 und Jugend-Europameister von 2012, der ein Kraftpaket ist, aber „nur ungern Krafttraining macht“, bei der Europameisterschaft im Januar in Polen dabei ist. Die HANDBALLWOCHE sprach mit ihm über die Aussichten.

In der vergangenen Saison spielten Sie beim TV Großwallstadt noch in der 2. Bundesliga. Etwas mehr als vier Monate später überzeugten Sie als Neu-Nationalspieler nach dem Höhenflug mit der HSG Wetzlar beim Supercup. Haben Sie sich eine so rasante Entwicklung erträumt, Herr Kohlbacher?

Jannik Kohlbacher: Nein, auf gar keinen Fall. Ich war schon von meiner Nachnominierung nach den Ausfällen von Hendrik Pekeler und Evgeni Pevnov total über rascht. Dass ich dann trotz der Nachnominierung so viele Spielanteile bekommen haben, hätte ich nicht erwartet und dass es dann noch so gut für mich gelaufen ist, auch nicht. Aber es hat eben alles gepasst.

Mussten Sie sich beim Supercup manchmal zwicken, dass Sie nach ihrem geglückten Debüt mit zwei Toren gegen Brasilien und ihrer guten Leistung mit vier Treffern gegen Serbien dann im abschließenden Spiel um den Turniersieg gegen Slowenien mit sieben Toren sogar bester deutscher Werfer und einer der Matchwinner waren?

Ich war da einfach in einem Tunnel drin. Wenn es läuft, dann läuft’s und du kriegst Bälle am Kreis, die du verwerten kannst.

Was hätten Sie gesagt, wenn Ihnen jemand im vergangenen Juli Ihr Nationalmannschaftsdebüt Anfang November prophezeit hätte?
Da hätte ich gesagt, dass er sich mal die Bundesliga genauer ansehen soll und dort sehr viele gute Kreisläufer rumlaufen. Dass es jetzt so gut für mich gelaufen ist, hätte ich mir nicht träumen lassen.

Haben Sie Ihren Höhenflug bis ins Nationalteam schon realisieren können?

Nein, es war schön und gut, dabei gewesen zu sein. Aber nach meiner Rückkehr ins Training in Wetzlar ging es gleich voll weiter.

Wie groß ist Ihre Hoffnung, nach ihrem gelungenen Einstand beim Supercup bei der EM in Polen dabei zu sein?

Ich hoffe es natürlich, aber ich erwarte es nicht, auch wenn ich akzeptable Spiele gemacht habe. Ich war der fünfte Kreisläufer hinter Erik Schmidt, Manuel Späth, Pekeler und Pevnov. Wenn die anderen fit sind, werden die nach Polen fahren.

Nach der EM geht es im April mit der Olympia-Qualifikation weiter, während die Olympischen Spiele im August in Rio den Janeiro stattfinden. Haben Sie Olympia zumindest im Hinterkopf?

Sie stellen vielleicht Fragen. Ich denke, dass man daran denken könnte, wenn ich bei der EM dabei wäre.

Mit der HSG sind Sie auf Höhenflug. Ist mit Wetzlar doch mehr als der frühzeitige Klassenerhalt möglich?

Wir haben den Klassenerhalt noch nicht geschafft, zumal wir auch noch eine knallharte Rückrunde vor uns haben.

Aber bei dem großen Vorsprung auf Abstiegsrang 16 dürften Sie zumindest die Hoffnung auf einen Mittelfeldplatz haben, oder?
Erst einmal wollen wir nur die Klasse halten. Das langt schon. Wir brauchen 25 Punkte, um drin zu bleiben. Haben wir die, können wir uns weiter unterhalten.
JÜRGEN HEIDE

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