Wie gut lassen sich Sport und Ausbildung miteinander verbinden?

Dieser Frage gingen Funktionäre, Politiker und Sportler beim Podiumsgespräch „Karriereplanung“ am Montag auf dem Hessentag auf den Grund

Die Zahlen machen nachdenklich: Rund ein Drittel aller Profifußballer müssen nach der Karriere Harz IV beantragen, weil eine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung fehlt. Denn oft starten die Jugendlichen zu blauäugig in ihre Laufbahn als Kicker und vernachlässigen dabei nicht selten die Schule. Endet die Zeit als Berufsfußballer dann vorzeitig (zum Beispiel wegen einer schweren Verletzung) oder wurde schlicht nicht genug Geld gespart, droht der Gang zum Sozialamt.
Dieser Entwicklung will das Land Hessen entgegensteuern und setzt mit Infrastrukturmaßnahmen dabei bereits beim Breitensport an. Auf dem Weg zum Profisportler wird der Frage nachgegangen, wie Sport und Karriere zu vereinbaren sind. Eine Möglichkeit: eine Verwaltungsausbildung. 80 Prozent der deutschen Athleten bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi 2014 seien Staatsbedienstete oder absolvierten dort eine Ausbildung, erläuterte Peter Beuth, Hessischer Minister des Inneren und für Sport. „Wir versuchen dort, unseren Beitrag zu leisten“, sagte der Politiker. Schließlich müsse der Sport mit anderen Staatszielen auf Augenhöhe sein. Mit gezielter Förderung der Sport-Elite will das Land dies erreichen. Schul- und Berufsausbildung müsse parallel zum Sport verlaufen, nicht hintereinander erfolgen, erklärte Beuth. So biete etwa die Polizei ein Studium an, das gerade für Leistungssportler interessant sei.
Und wie sieht das in der Praxis aus? Zehnkämpfer Jan Felix Knobel (LG Eintracht Frankfurt) berichtete von seinen Erfahrungen. „Der zweigleisige Weg funktioniert bei mir sehr gut“, sagte Knobel, der Architektur studiert. Dabei gehe es immer auch um zeitlich flexible Lösungen, um Training und Studium optimal koppeln zu können. Denn bei sechs bis sieben Tagen Training in der Woche sei es für einen Leistungssportler nicht möglich, regelmäßig an Vorlesungen teilzunehmen. Dies müsse mit den Dozenten abgeklärt und abgestimmt werden. Schließlich solle den Sportlern nichts geschenkt werden.
Dass dem nicht so ist, zeigt sich beispielsweise am Alltag von Ruderin Christiane Huth (Potsdamer RG), die bei Olympia 2008 in Peking Silber gewann. Während der Ausbildung bei der Bundespolizei beginnt der Arbeitstag der 33 Jahre alten Profisportlerin morgens um kurz vor sechs Uhr mit dem Training, bevor es zur Mittagszeit in die Uni geht. Abends stehen wieder Übungseinheiten auf dem Programm – „dann noch zwei, drei Stunden lernen“, beschrieb Huth ihren Arbeitstag. So engagierte Mitarbeiter dürfe sich jedes Unternehmen wünschen, ergänzte Beuth.
Vor allem die Sportverbände seien gefordert, ihren Athleten Wege aufzuzeigen, wie sie Sport und Beruf miteinander vereinbaren können, forderte indes Bernhard Bauer, Präsident des Deutschen Handball-Bundes. „Wir müssen die Sportler an die Hand nehmen“, lautet sein Vorschlag. Für jede Sportart und für jeden Sportler brauche es eine eigene Antwort auf diese Frage, die so vielfältig sei wie der Sport selbst, erläuterte Bauer. Gerade im Handball-Verband funktioniere dies vorbildlich, lobte Beuth – anders als an vielen Stellen im Fußball.
(Aus: echo-online vom 11.06.2014)

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