Der Schulsport als Wegbereiter für Spitzenathleten?

Kann der Schulsport Wegbereiter für den Spitzensport sein? Ist dies überhaupt die Aufgabe der Schule oder soll man den Leistungssport den Vereinen und Verbänden überlassen? Darüber diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Sport am Donnerstagabend auf Einladung des Schulsportzentrums Bergstraße und des Sportkreises Bergstraße im Foyer des AKG Bensheim.

"Schulsport nach Sydney - Resignation oder Herausforderung?" lautete das Thema der Podiumsdiskussion, bei der es insbesondere um "Talentsuche und Talentförderung im Schulsport" ging. Vor rund 100 überwiegend fachkundigen Zuhörern verlieh der aktuelle deutsche Hochsprungmeister und Olympia-Teilnehmer Wolfgang Kreißig seinem Unmut darüber Ausdruck, dass "sogar hier die deutsche Mannschaft, die in Sydney am Start war, als ,Vollversager' abgestempelt wird. So schlecht, wie die Medien das deutsche Abschneiden darstellten, war es eigentlich gar nicht."

Mit Olaf Kühn, Sportschulrat am Staatlichen Schulamt, Horst Knop, dem Vorsitzenden des Sportkreises Bergstraße, dem Sparkassen-Direktor Robert Langer und Landrat Norbert Hofmann waren Entscheidungsträger aller Bereiche anwesend. Vor diesem Hintergrund schien die Forderung von Moderator Robert Eberle am Ende der Diskussion, "Hausaufgaben für alle Beteiligten" verteilen zu können, realistisch.

"Wir wollen hier nicht über die oft zitierten ,dicken Kinder' reden. Es geht darum, wie man Talente frühzeitig erkennt und fördern kann", lieferte Eberle den Gesprächseinstieg. Schulsportrat Olaf Kühn legte den Finger schnell in die Wunde: "Es gibt in Hessen das Landesprogramm ,Talentsuche und Talentförderung', in dem die Schule mit Vereinen und Verbänden zusammenarbeitet. In Bensheim haben wir das Programm sehr gut umgesetzt, aber es fehlt flächendeckend." Dass Theorie und Praxis noch weit auseinander klaffen, zeigten die Kommentare des Publikums. Etliche der anwesenden Grundschullehrer kannten das Landesprogramm nicht.

Einig waren sich alle Podiumsmitglieder über die Grundzüge der Sportförderung. "Es darf natürlich nicht so ausufern wie in der ehemaligen DDR. Es muss immer noch der ,gesunde Sport' sein, der an der Schule gefördert wird", forderte Landrat Hofmann. Der Sportkreis-Vorsitzende Horst Knop sieht Probleme vor allem in personeller Hinsicht: "Wenn wir genügend junge, engagierte Lehrer haben, die sich auch über ihre Pflichtstunden hinweg einsetzen, kann man sehr viel erreichen."

Als ungemein wichtig stuften die Diskussionsteilnehmer die Betreuung neben dem Sport ein. Besonders die schulische Laufbahn dürfe nicht unter dem erhöhten Zeitaufwand für den Sport leiden. Hier hatte Schulsportrat Olaf Kühn das passende Rezept parat: "In Sportklassen besteht die ideale Möglichkeit, die Talente in einer ganzheitlichen Betreuung zu fördern. Dies wäre sicherlich die ideale Förderung und das hessische Kultusministerium sieht solche Sportklassen an Schulsportzentren wie dem AKG sogar ausdrücklich vor. Dies gilt es zu forcieren, womit man einen Riesenschritt machen würde."

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