Das Kreuz mit dem Kreuzband

Hessentag – Diskussion: „Das ist sicherlich die einschneidendste Verletzung für einen Sportler“

An einem Freitag, den 13., über Sportverletzungen referieren? Chirurgie-Stationsleiter Michael Lapp und Sportphysiotherapeut Thomas Zahnleiter taten’s beim Hessentag – unfallfrei. Mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Sportverletzungen beendete der Sportkreis Bergstraße am Freitag seine Vortragsreihen beim Hessentag 2014 in Bensheim. Als Gesprächspartner in der Sportlerlounge standen Michael Lapp, Stationsleiter der Chirurgie des Heilig-Geist-Hospitals Bensheim, sowie Thomas Zahnleiter, Sportphysiotherapeut, bereit. Zum Thema Sportverletzungen an einem Freitag den 13. zu referieren, das passte. Lapp und Zahnleiter sind nicht abergläubig, vielmehr realistisch, wenn es darum geht, Erstversorgung zu leisten nach einer Verletzung im Sport. Dem Verletzten wird zunächst eine Pause gegönnt, die Verletzung gegebenenfalls mit Eis gekühlt, eine Kompression kann schließlich ein Anschwellen der betroffenen Stelle am Körper verhindern.
Doch soweit muss es gar nicht kommen. Die Aufgabe von Zahnleiter als Physiotherapeut ist es auch, präventiv tätig zu werden. „Die Wirbelsäule stabilisieren, Muskulatur aufbauen und koordinative Fähigkeiten schulen“, beschreibt Zahnleiter eine seiner Tätigkeiten zur Vorbeugung von Verletzungen. Wenn aber dennoch etwas passiert, gilt es, denn Sportler schnell wieder zu rehabilitieren mit Maßnahmen wie Muskelaufbau etwa auf dem Fahrradergometer, Schulung der Koordination zum Beispiel auf instabilen Untergründen sowie schlussendlich dem sportartspezifischen Training.
Vor allem der eine oder andere Fußßballer wird davon ein Lied singen k&oouml;nnen, zählt der Fußball doch zu den verletzungsträchtigsten Sportarten überhaupt. Vor allem Verletzungen im Knie und im Sprunggelenkbereich gehören im Fußball zur Tagesordnung. Stichwort: Kreuzbandriss. „Das ist sicher die einschneidendste Verletzung für einen Sportler“, so Lapp, kann der Bandriss im Knie im schlimmsten Fall die Karriere kosten.
Die meisten Verletzungen ohne Fremdeinwirkung
„Das Kreuzband ist der zentrale Stabilisator des Kniegelenks“, so Lapp. Kommt es zu so einer Verletzung, betrifft dies zu nahezu 70 Prozent das vordere der beiden Bänder. Die Folge ist, dass die Stabilität zwischen Unter- und Oberschenkel verloren geht, der Ober- über den Unterschenkel schiebt und somit weitere Bereiche im Knie (Knorpel) schädigen kann. „Unbehandelt kann der Kreuzbandriss eine Arthrose zur Folge haben“, erlätert Lapp. In den meisten Fällen wird ein Kreuzbandriss operiert und zieht mindestens ein halbes Jahr Sportsperre hinter sich her. Auch eine Physiotherapie wird dann Pflicht, um die Muskulatur wieder aufzubauen und das Knie in Bewegung zu bringen.
Fußball, aber auch Handball und Sportarten, in welchen Unter- und Oberköper vielfach stark rotieren, seien prädestiniert für Kreuzbandrisse und Verletzungen der Bänder im Allgemeinen, so Lapp: „70 Prozent dieser Verletzungen entstehen ohne Fremdeinwirkung.“ Ursache ist oft eine Fixierung des Fußes und einer schnellen, ruckartigen Bewegung des Oberkörpers – da kann das Kreuzband im Knie reißen. Gründe können auch Ermüdung oder Flüssigkeitsmangel sein und aufgrund dessen eine geschwächte Muskulatur. Doch gerade die Muskeln seien entscheidend zur Stabilisierung von Sehnen und Bändern. Auch Überbelastung oder äußere Einflüsse wie neue Sportschuhe können zu einem Bänderriss führen. Und „zu früh wieder anfangen nach einer Verletzung“, warnt Lapp vor einer weiteren Ursache für Bänderrisse jeglicher Art. Nicht zuletzt ist es auch der Kopf, die Psyche des Athleten, die angeschlagen ist vor allem nach einer schwerwiegenden Verletzung wie einem Kreuzbandriss. Wird dann im Sport selbst zu viel darüber nachgegrübelt vom Athleten, was alles passieren kann, „dann passiert garantiert wieder was“, weiß Lapp. Vor allem im Breitensport sollen Trainer diesbezüglich vermehrt geschult werden.
Unter anderen hat der Weltfußballverband FIFA hierzu auch ein Programm aufgelegt zur Verletzungsprävention namens „11+“. Info unter http://de.fifa.com/ aboutfifa/footballdevelopment/ medical/ playershealth/the11/
(Aus: echo-online vom 16.06.14)

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