Ober fühlt sich trotz allem wohl

Handball, Zweite Liga: Der junge Linkshänder lobt Zusammenhalt bei der TSG Groß-Bieberau – Wunsch nach weiteren Punkten dürfte gegen Tabellenführer Balingen kaum in Erfüllung gehen

Zwölf Niederlagen, ein Sieg – so liest sich die Bilanz des Handball-Zweitligisten TSG Groß-Bieberau. Nun erwartet der Tabellenletzte am Sonntag (18 Uhr, Sporthalle „Im Wesner“) Spitzenreiter HBW Balingen. Beim Blick auf diese schwierige Aufgabe braucht man kaum über die Erfolgsaussichten orakeln. Vielmehr stellt sich die Frage: Wie gehen die Spieler damit um, wenn es Woche für Woche eins auf die Mütze gibt? Steffen Ober kam in dieser Saison vom Ligakonkurrenten SG Leutershausen und gehört zur jungen Garde, der die Zukunft in Groß-Bieberau gehören soll. Der 18 Jahre alte Linkshänder ging wie viele der Mitspieler davon aus, dass Groß-Bieberau in der Regionalliga spielt. Als aber fünf Klubs aus erster und zweiter Liga keine Lizenz erhielten, blieb Groß-Bieberau doch zweitklassig. „Wir alle haben die Herausforderung einstimmig angenommen“, sagt Steffen Ober. Deshalb sei es jetzt müßig darüber nachzudenken, ob es Groß-Bieberau gut getan hat. „Die Stimmung“, bekräftigt der ehemalige Jugendnationalspieler, „ist trotzdem gut. Wir verstehen uns innerhalb der Mannschaft, wir richten uns gegenseitig auf und gehen in jedes Spiel mit der Absicht, zu gewinnen.“ Diese Losung gelte auch gegen den Spitzenreiter. Doch Ober ist nicht blauäugig. „Wie auch am Sonntag, hat jeder gewusst, dass wir in jedem Spiel einen schweren Stand haben werden.“

Ober fühlt sich in der Mannschaft und in Groß-Bieberau wohl, will seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängern. Sein Abgang in Leutershausen verlief hingegen nicht so harmonisch. Einst aus der Nachwuchsschmiede des HC Heppenheim als B-Jugendlicher in den Perspektivkader des Zweitligisten gewechselt, fühlte sich das Talent dort verschaukelt, als ihm Jens Ostheimer letzte Runde vor die Nase gesetzt wurde. „Mir hatten die Trainer bei den Vertragsverhandlungen zugesichert, dass ich in Leutershausen erster Mann auf dem linken Flügel sein werde. Als aber Ostheimer präsentiert wurde, wollte ich nur noch weg.“ Groß-Bieberaus Trainer Thomas Göttmann, der den Linkshänder in der Hessenauswahl betreute, hatte von seiner Unzufriedenheit Wind bekommen „und hat mich zum Wechsel animiert.“

Sein Talent hat Steffen Ober auch von Vater Norbert geerbt, der früher bei der TG 75 Darmstadt spielte, später bei der TGB Darmstadt und schließlich beim VfL Heppenheim in der ersten Liga. Steffen Ober, der noch A-Jugend spielen könnte, sieht neben der sportlichen Weiterentwicklung das Abitur als eines der wichtigsten Nahziele. Den Wechsel zur TSG Groß-Bieberau hat er auf jeden Fall nicht bereut. „Ich bekomme meine Spielanteile und mir wird Vertrauen geschenkt.“ Auch als Groß-Bieberau mit Philippe Bosere einen weiteren Linkshänder verpflichtete, fühlte sich Ober nicht ins zweite Glied abgeschoben. „Bosere ist eine wichtige Ergänzung gewesen, und wir verstehen uns gut.“ Zuletzt in Gensungen wurde Steffen Ober sogar zum besten Spieler der TSG Groß-Bieberau gekürt, warf neun Treffer. „Endlich ist es einmal bei mir so gelaufen, wie ich es mir vorstelle.“ Nun hofft er, dass er daran anknüpfen kann und mehr Sicherheit bekommt. „Hoffentlich trägt der ganze Trainingsfleiß bald Früchte, damit wir in der Hinrunde noch den ein oder anderen Punkt machen“, ist ein Herzenswunsch von Steffen Ober. Ob dieser bereits gegen Spitzenreiter Balingen in Erfüllung geht, ist eher unwahrscheinlich.

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